Das Ende der Angst
Alle Probleme, die Menschen haben, sind Folge ihrer Ängste. Genau genommen,
Folge der Verhaltensweisen, zu denen diese Ängste Sie gezwungen haben.
Ängste sind Energien (Gefühle) die uns zwingen, etwas zu tun oder auch nicht
zu tun. Deshalb sind alle diese Verhaltensweisen Zwangsverhalten. Diese
können so stark werden, dass ein normales Leben unmöglich wird. Süchte,
Phobien, Depressionen, ja sogar Krankheiten und Unfälle sind nur einige
Möglichkeiten, wie sich Ängste auf unser Leben auswirken können. Dann
verliert man seine Lebensfreude und seine Lebenslust. Der Sinn des Lebens
geht verloren.
Kennen Sie das Gleichnis vom verlorenen Sohn? Wir alle sind verlorene Söhne,
wenn wir uns von unseren Ängsten abhängig machen. Jesus spricht an anderer
Stelle auch von den "tauben und stummen Geistern", von "Dämonen" die uns
versklaven. So können wir alles verlieren, was das Leben lebenswert macht.
Der verlorene Sohn musste am Schluss sogar um das Fraß der Schweine betteln.
Menschen, die voller Ängste sind, sind Bettler. Sie betteln um ein wenig
Liebe, ein wenig Aufmerksamkeit, ein wenig Geld, ein wenig mehr Gesundheit,
weil sie Angst haben, nicht gut genug zu sein, abgelehnt zu werden oder zu
versagen. Wissen Sie, wer ein Versager ist? Jemand, der sich etwas versagt.
Was versagen Sie sich zurzeit?
Was macht die Angst mit uns? Wie schon gesagt, zwingt sie uns zu
Verhaltensweisen, die bestimmte Situationen vermeiden sollen. Und zwar die,
in denen seelischer und manchmal auch physischer Schmerz vermutet wird.
Im Laufe unseres Lebens gab es viele Situationen, in denen wir z. B.
abgelehnt wurden, ausgenutzt, missbraucht, nicht geliebt oder allein
gelassen wurden. Diesen Schmerz wollen wir nicht noch einmal erleben. Sowie
eine solche vergleichbare Situation sich uns nähert, wird eine Angst in uns
aktiv, die uns davon abhalten will, in diese Richtung zu gehen. So rennen
wir vor dem Schmerz ständig weg oder wehren uns gegen Menschen und Umstände,
die uns in schmerzhafte Situationen führen könnten. Für Außenstehende wirkt
dies manchmal völlig unverständlich. Der eine will nicht in der Schlange im
Kaufhaus stehen, der andere nicht mit dem Fahrstuhl fahren, der eine will
sich nicht die Hände waschen und der andere nicht in den Zoo gehen.
So ist es bezeichnend für angstvolle Menschen, dass sie ständig kämpfen und
ein anstrengendes, mühevolles Leben führen. Sie kämpfen gegen
Ungerechtigkeit, Unterdrückung, gegen ihren Chef und ihre Feinde oder Sie
kämpfen für Freiheit, für mehr Unterstützung, für mehr Verständnis, ja
selbst für mehr Liebe! Aber in Wirklichkeit kämpfen Sie gegen sich selbst.
Sie kämpfen verzweifelt gegen ihre Schmerzen an. Gegen die Schmerzen, die jedes Mal
in ihnen auftauchen,
wenn jene Dinge im Außen erscheinen.
Und immer wenn sie kämpfen, spüren sie ihre Angst. Das Leben wird so zu einer einzigen
Qual. Kennen Sie
das?
Obwohl wir diesen Schmerz in uns nicht wahrhaben wollen, wissen wir doch,
dass er da ist. Er ist zu einem Teil unseres Lebens geworden. Zu einem Teil
unseres Selbstbildes. Er gehört zu uns. Da wir als Mensch glauben, nur
überleben zu können, wenn wir uns verteidigen und rechtfertigen, verteidigen
und rechtfertigen wir damit auch jedes Mal unsere Ängste und Schmerzen. Das
erfordert natürlich Kraft und Energie und lässt uns noch mehr kämpfen. Kein
Wunder also, dass sich ängstliche Menschen häufig saft- und kraftlos fühlen.
Sie sind in einem Teufelskreis gefangen. Können wir diesem Gefängnis entfliehen? Ja!
Aber wie?
Indem wir die Wege gehen, die uns zur Auflösung unseres Schmerzes führen.
Diese Weg zu kennen und zu gehen, ist ein wesentlicher Teil meiner Arbeit. Manchmal ist
er so einfach, dass man es nicht glauben mag. Essenz all dieser Wege ist zu
lernen, sich nicht länger mit der Angst und den Schmerzen zu beschäftigen
sondern sie klar und bewusst zu beobachten und zu akzeptieren. Das heißt,
man öffnet sich u. a. dafür, die Angst wahrzunehmen, die Angst zu fühlen,
die Angst zu zeigen und evtl. zu beschreiben. Auf einmal erkennt man, dass
derjenige, der akzeptiert und zeigt, dass er schwach ist, stark ist, dass
derjenige, der akzeptiert und zeigt, dass er unehrlich ist, ehrlich ist und
dass derjenige, der zu seiner Angst steht, Sicherheit ausstrahlt. Das ist
doch verrückt? Ihre Angst entlarvt sich als eine Illusion. Sie zwingt sie in
eine Beschäftigung mit der Zukunft und gaukelt Ihnen mögliche Umstände und
Reaktionen von Menschen vor, die so jedoch niemals eintreffen würden. Wenn
Sie dieses "Spiel" durchschauen, hat der Lebenskampf ein Ende.
Ihre Ängste und Schmerzen bedingen sich gegenseitig, das Auflösen der
größten Schmerzen und Ängste lässt das ganze Gerüst zusammenbrechen. Diese
Erfahrung wird als große Erlösung erlebt. Kein Schmerz mehr, also auch keine
Angst mehr. Was bleibt, ist die Liebe. Denn wussten Sie, dass es nur zwei
Motive menschlichen Handelns gibt: Angst und Liebe. Wenn die Angst
verschwunden ist, bleibt deshalb nur noch die Liebe. Die Liebe in Ihnen kann
endlich erblühen. Sie leben dann aus Liebe und für die Liebe. Sie sehen in
allen und in allem die Liebe. Für einen ängstlichen Menschen ist das
unvorstellbar und doch ist es möglich, für jeden! Wollen Sie das erfahren?
Ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen.
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