Der Neugierige ist gar nicht Neu-gierig!
In einem meiner Seminare hatte ich einmal einen Teilnehmer, der mir sagte, er
wäre gekommen, weil er neugierig ist. Es stellte sich aber schnell heraus,
dass er jede meiner Übungen, die für ihn völlig neu waren, ablehnte. Also,
wollte er nun das Neue, worauf er gierig schien, oder nicht? Natürlich
nicht!
Das veranlasste mich dazu, zu überdenken, was Neugierde eigentlich ist.
Neugierige Menschen oder jene, die es von sich behaupten, sind Menschen, die
an Altem festhalten. An alten Überzeugungen und alten Einstellungen. Sie
sind abhängig vom Alten. Sie sind genau genommen süchtig nach dem Alten. Und
Sucht erschafft Gier. Neugierige sind gierig danach, Recht haben zu wollen.
Sie glauben alles zu wissen aber im Tiefsten zweifeln sie daran. Dieser
Zweifel macht sie neugierig. Neugierig aber nur darauf, ob sie recht haben.
Recht haben darin, dass ihre (alten) Sichtweisen, ihre Überzeugungen und
Glaubenssysteme stimmen. Recht haben darin, dass Ihre daraus entstehenden
Erwartungen und Vorstellungen auch zutreffen. Nur das wollen sie bestätigt
sehen. Wenn es nicht bestätigt wird, verlassen sie schlagartig den Raum des
Neuen, der ihnen die scheinbare Sicherheit, in der sie sich aufhalten,
nehmen würde. Sie sind also große Angsthasen, die vorgeben, auf das Neue
gierig zu sein, aber in Wirklichkeit alles Neue meiden. Deshalb sind sie
Lügner; denn sie sind in Wahrheit nur gierig nach dem Alten. Also hüten Sie sich
vor neugierigen Menschen, denn sie wollen nur am Alten festhalten. Damit
zerstören sie systematisch die Fähigkeit, also auch Ihre Fähigkeit,
wirklich Neues zu erfahren. Und damit zerstören sie das Leben und die Liebe,
die sich immer nur im Neuen von neuem Ausdruck verleihen kann.
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