Richtig und Falsch gibt es nicht


Neulich saß ich einem Physiotherapeuten gegenüber, mit dem ich mich über die richtige Haltung der Wirbelsäule unterhalten habe. Er erzählte mir, dass es "Richtig" und "Falsch" in diesem Zusammenhang nicht gäbe. Er erläuterte dies an einem sehr schönen Beispiel: Vor Jahren baute man in Schweden für viele Firmen ergonomische Stühle, die den Angestellten eine bessere Sitzhaltung ermöglichen sollten. Tatsache war jedoch, dass die Rückenprobleme nicht im Geringsten abnahmen. Der Grund dafür lag darin, dass eine fixierte "richtige" Haltung als solche keine Gesundheit garantiert, sondern nur eine flexible.

Nicht die Haltung (Einstellung, Meinung) an sich, nicht rechts oder links, nicht oben oder unten, ist richtig oder falsch, sondern die Fähigkeit, dynamisch von links nach rechts wechseln zu können, führt zu Lebendigkeit und damit zur Heilung. Einseitigkeit ist ein Problem unserer Zeit. Einseitige Bildung, einseitige, stereotype Arbeit, einseitige Ernährung, einseitige Überzeugung (Rechthaberei) machen uns krank. Sobald wir uns fragen, was richtig und was falsch ist, sprechen wir der Welt der Dualität Existenz zu. In dieser Welt bedingt immer das eine das andere. Ehrlichkeit bedingt die Existenz von Unehrlichkeit, Frieden bedingt Krieg, Glück bedingt Unglück.

Gibt es nun Richtig oder Falsch? Das hängt von unserer Betrachtungsweise ab! Buddha soll gesagt haben: "Nicht das, was jemand tut, ist von Wichtigkeit, sondern das Motiv, aus dem er es tut, ist entscheidend". Da es nur zwei Motive gibt, handeln wir entweder aus Angst oder aus Liebe. Tatsache ist, dass der eine aus Angst unehrlich ist, der andere aus Angst ehrlich. Der eine weicht aus Angst dem Risiko aus, der andere sucht das Risiko, weil er Angst hat, sonst etwas zu verpassen.

Aus höherer Warte betrachtet, geht es nicht darum, sich zu fragen, ob A oder B richtig ist, sondern kann ich A oder B gleichermaßen tun? Habe ich weder Angst A noch Angst B zu tun oder kann ich jederzeit A oder B tun, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verlieren oder zu verpassen? Erst dann bin ich frei. Einmal lebe ich zwei Wochen A, dann drei Wochen B, dann wieder drei Wochen A usw... bis ich erkenne, dass es egal ist, ob ich A oder B lebe, oder sogar nichts von beidem. Nichts ist wichtiger oder unwichtiger als alles andere. Nichts ist "richtiger", nichts ist "falscher". Auf einmal erkenne ich, dass ich frei bin, zu wählen, was auch immer ich wählen will. Dann wähle ich oder lasse es sein. Auch darin bin ich dann frei.

Dann ist alles Wissen ein Spiel. Dann kümmert es mich nicht, irgend etwas zu wissen. Dann bin ich frei, dann bin ich im Paradies, dann bin ich angekommen.

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